teresa novotny


Old Shells / Alte Hüllen


Fotografie 2025

Das Sichtbarwerden von Brüchen markiert den Beginn einer neuen Materialität. Zerbrochene Keramik, in Kintsugi-Manier mit feinen oder ganz groben Adern (roh) zusammengefügt, verliert ihre ursprüngliche Integrität und gewinnt eine andere. Die Narbenlinien – bewusst offengelegt – fungieren als kartografische Spuren des Dazwischen: Zerstörung und Rekonstruktion, Verlust und Formfindung.

In direkter Opposition stehen Haut und Beton. Ihre Oberflächen tragen die sedimentierten Zeitschichten des Gelebten. Texturen verdichten sich, Risse entstehen, Material bricht auf – Narben als narrative Marker. Wo keramische Fragmente in klinischer Abstraktion verharren, oszilliert der Körper zwischen Verletzlichkeit und Widerstand. Die Architektur, selbst eine Membran des Gebauten, schreibt sich mit abgenutzten Kanten und offenen Stellen in diesen Zyklus ein.

Zwischen Objekt, Körper und Raum entsteht eine visuelle Untersuchung über Fragment und Kontinuität – über das, was trennt und verbindet, über Wunde, Spur und das Archiv der Zeit.